LAURENT METTRAUX
Route Principale 160, CH-1791 Courtaman
(Schweiz)
Tél. + fax : (+41) 26/684.18.65,
E-mail : laurent.mettraux@bluewin.ch
Empfang
¦ Biographie
¦ Hauptwerke
¦ Katalog der Werken
Dokumente zum Drucken ¦ Partiturbeispiele ¦ Audiobeispiele
CDs
¦ Kritiken und Artikeln ¦ Uraufführungen und Konzerte ¦ Texte
¦ Links
La Mort
sur un Cheval Pâle
(Der Tod auf einem fahlen
Pferd)
für Orchester, M.662 (2007)
Nach dem Buch der Apokalypse
Auftrag
von Pro Helvetia für die Basel Sinfonietta.
Freiburg im Breisgau, Konzerthaus – Sonntag, 1. Juni 2008, 20.00 Uhr
Frankfurt am Main, Sendesaal Hessischer Rundfunk – Sonntag, 8. Juni
2008, 18.00 Uhr
Mit
dem Requiem von Verdi (Solisten : Francesca Scaini, Sopran, Renée Morloc,
Mezzosopran,
Alfred Kim, Tenor, Christof Fischesser, Bass ;
chœurs : Camerata Vocale Freiburg, Frankfurter Kantorei)
Dauer des Werkes : ungefähr 10’15 Min.
Werkbeschreibung
Als die basel sinfonietta mir den Auftrag für ein Orchesterstück erteilte, sollte es einen engen thematischen Bezug zum anderen Werk des Konzerts, Verdis Requiem, aufweisen. Daher entschied ich mich für das Buch der Apokalypse, in dem vor allem die Figur des vierten apokalyptischen Reiters mein Interesse erregte:
„Und als das Lamm das vierte Siegel öffnete, hörte ich die Stimme des vierten lebendigen Wesens sagen: Komm! Und ich sah: Und siehe, ein fahles Pferd, und der darauf sass, dessen Name ist Tod; und der Hades folgte ihm. Und ihnen wurde Macht gegeben über den vierten Teil der Erde, zu töten mit dem Schwert und mit Hunger und mit Pest und durch die wilden Tiere der Erde.“ (Offenbarung des Johannes 6,7-8)
Meine Komposition ist nicht nur eine blosse
Schilderung dieser Textstelle, sondern beschreibt die angsterfüllte Atmosphäre
der Ankunft des Todes und den dadurch ausgelösten Schrecken. Aus diesem Grund
nutzt die Komposition alle Möglichkeiten eines Sinfonieorchesters, einschliesslich
einiger sonderbarer Klänge an entsprechenden Stellen. Die dramatische Spannung
speist sich aus dem Gegensatz zwischen der Dynamik der unheilvollen Wirkung des
Todes und seines rasenden Auftritts einerseits, sowie andererseits der
beklemmenden Erwartung und jenen statischen Bildern der Verzweiflung, welche
seinem Erscheinen folgen.
Das Werk beginnt mit einer von dunklen Vorahnungen erfüllten Atmosphäre,
zugespitzt durch beängstigende Klangereignisse, die den statischen Momenten
gegenüberstehen. Die Musik erzeugt ein Gefühl grosser Unsicherheit, so als ob
man nicht wüsste, aus welcher Richtung die Katastrophe herannahen wird. Die
Stimmung wird immer schwerer und bedrückender, mit einzelnen Stössen, die an
das Schnauben eines Pferdes erinnern. Ein Blechbläserklang kündigt die
unmittelbar bevor stehende Ankunft des Todes an. Das Tempo wird schneller, die
Musik wird rhythmischer: Plötzlich taucht der makabere Reiterzug auf. Ein
zweiter Bläserklang verkündet die Ankunft des Reiters. Sein Erscheinen löst Gewalt
aus. Abgehackte, wilde Akkorde überlagern einen unerbittlich gleichförmigen
Rhythmus, wie das Hämmern eines unbezwingbaren Schicksals. Nachdem der vierte
Reiter vorübergestürmt ist, bleibt nichts als eine fahle, trostlose Landschaft
zurück, aus der sich lediglich die Krämpfe und Zuckungen des Todeskampfes und
beissend-stinkende Dämpfe erheben. Nachdem Fragmente einer traurigen Melodie
erklungen sind, tritt allmähliche Lähmung der Musik ein, um schliesslich in
einen fauligen Klang zu münden.
Laurent Mettraux
Übersetzung : Marco Franke
